Begegnungen II

Heute regnet es. Und so habe ich anstelle des Zeltes ein Bett in einer Pilgerunterkunft gebucht.

Welch ein Glück. 

Erstens regnet es mehrmals und länger in Strömen und zweitens beschert es mir ein fantastisch, besonderes Abendessen.

Wie immer in Frankreich besteht das Abendessen aus mehreren Gängen mit Wein.

Diesmal sitzen wir zu zehnt in der Küche von Oliver und Maria. 

Schon beim Reservieren des Bettes spricht er deutsch mit mir, weil er an meiner Handyvorwahl erkannt hat, woher ich komme. Ach, wie herrlich einfach.

Und nun werkelt er nach Herzenslust in der Küche. Ich sehe, dass er hier in seinem Element ist. Er liebt das Kochen und Bewirten der Pilger und es beherrscht die Kunst auch wirklich. Langustensuppe, frischer baskischer Fisch, gegrillte Aubergine, Gemüsereis, Apfelstrudel. Alles schmeckt super, ausgewogen, frisch und hat aus meiner Sicht ein paar Pilgersterne verdient. 

Wenn er gerade auch einen Happen essen kann, setzt er sich zu uns an den Tisch. 

Er erzählt seine Geschichte freimütig. 

Nach einer schmerzhaften Scheidung hat er mit seiner jetzigen Frau einen Neuanfang gewagt, weil ein Freund ihm vom Jakobsweg erzählt hat. Er hatte noch nie davon gehört, fand die Idee aber faszinierend. 

Und als er mit seiner Frauein Haus am Camino fand, sahen sie beide ihre Chance und haben sie ergriffen. 

Er ist  den Jakobsweg nicht gegangen und hat das auch nicht vor. 

Hat er mit der Unterkunft hier hier seinen Weg gefunden? 

Naja, sagt er, er weiß noch nicht, ob er das so hoch aufhängen will. Er fühlt sich wohl auf seinem Weg und der ist im Moment hier. Darüber, wohin ihn der Weg in 10 Jahren führt, macht er sich keine Gedanken, denn das Leben ist jetzt.

Er ist interessiert an seinen Gästen und freut sich, wenn er sie mit seiner Dienstleistung auf ihrem Weg unterstützen kann. Egal ob sie 1, 10 oder 100 Tage unterwegs sind, ihn interessiert, ob sie "es" verstanden haben. 

Was ist es denn, das es zu verstehen gilt, frage ich: 

"Dass jeder sein Bestes gibt und seinen Beitrag leistet und egal wie groß der auch ist - es gilt immer, diesen wertzuschätzen. 

Er wünscht sich die Wertschätzung seiner Gäste und die bekommt er heute Abend zuhauf. 



Auf dem Weg nach Navarrenx

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